Vegas im Laufe der Jahrzehnte

Lang ist es her, das Jahr 1829, als der erste nicht-eingeborene Mensch den Boden betrat, den heute die Wüstenmetropole Las Vegas ziert. Raphael Rivera hieß der mexikanische Scout, der seine ursprüngliche Reisegruppe verließ, um unbekanntes Gebiet in der Wüste von Nevada zu erkunden. Er entdeckte die natürliche Oase, die heute den Namen Las Vegas Springs trägt. Dieser Fund legte den Grundstein für eine der bekanntesten Städte der Welt. > mehr erfahren


Eine grüne Oase in der Wüste von Nevada: Las Vegas



"Die Auen" nannte Rivera seine Oase auf Spanisch: Las Vegas. Damals gehörte der Landstrich noch zu Mexiko, 1848 ging er in die Hände der USA über. Nur sieben Jahre später errichteten Mormonen eine erste Handelsstation, die sie mit wehrhaften Mauern absicherten. Die Bauern und Händler hielten engen Kontakt zu den ansässigen Indianern, aber mit dem Goldrausch war dies alles wieder vorbei. Die nackte Gewalt hielt Einzug in Nevada, die Mormonen ergriffen die Flucht und Abenteurer aller Art nahmen ihren Platz ein. Ihnen folgten die großen Minengesellschaften, die nicht nur das Gold ins Auge gefasst hatten, sondern viele weitere Metalle. Die wachsende Industrie musste ausgiebig mit diesen Rohstoffen gefüttert werden, Arbeiter siedelten sich an, Eisenbahnschienen wurden verlegt. 1905 war es schließlich so weit, die Stadtgründung erfolgte, Las Vegas war offiziell geboren.



Der Hoover-Damm als Lebensader der wachsenden Stadt



Ein paar Quellen in der Wüste reichen natürlich nicht aus, um eine stetig wachsende Stadt mit Wasser zu versorgen. Als 1931 der Hoover-Damm eröffnet wurde, floss das Wasser in Strömen in Richtung Vegas, und auch an Strom mangelte es bald schon nicht mehr. Zu den Minenarbeitern, die den Ort bevölkerten, gesellten sich nun auch noch die Männer, die ihre Arbeitskraft in den Staudamm investierten. Ganz zu schweigen von den Eisenbahnern, die ebenfalls ein Nachtlager und ein bisschen Zerstreuung suchten: allesamt kraftstrotzende Männer in Begleitung nur sehr weniger Frauen. Unter diesem Blickwinkel wundert es kaum, dass schlaue Geschäftsleute ihre Chance witterten und kräftig in Bars und Nachclubs investierten. Der Staat Nevada tat sein Scherflein dazu bei und legalisierte das Glücksspiel, sodass jeder, der wollte, sich ohne Scheu an den Spieltischen austoben konnte.



Das erste Luxushotel mit eigenem Casino und Klimaanlage



Ein normales Stadtbild besaß Las Vegas noch nie, es gibt keine Innenstadt im regulären Sinne. Der gesamte Ort richtete sich auf das Entertainment aus, und schon im Jahr 1932 eröffnete das erste echte Luxushotel mit klimatisierter Lobby und einem elektrischen Aufzug. Natürlich besaß das "Apache" auch ein eigenes Casino mit eleganten Teppichen, schließlich wollten auch die Reichen liebend gern dem Glücksspiel frönen. In den Jahren der Weltkriege bot die Gegend rund um die Wüstenmetropole mehr als genug Platz für Rüstungsfabriken, Geld floss in Strömen. Die Amüsierbetriebe warfen imposante Renditen ab – und das brachte schließlich die Mafia auf den Plan.



Das luxuriöseste Hotel der Welt eröffnete im Jahr 1946



Die folgende Phase verlief wenig erfreulich, denn Bandenkriege brachen aus, die Mobster stritten sich um ihre Anteile an dem ganz großen Geschäft. Hinter den Kulissen verfestigten sich die kriminellen Strukturen, Las Vegas wurde gefährlich wie nie zuvor. Bugsy Siegel ist einer der bekanntesten Namen dieser Epoche – doch leider gehörte auch er nicht wirklich zu den "Guten". Siegel war Mitglied der Mafia, ihm verdankte Las Vegas das berühmt-berüchtigte Glamour-Domizil "Flamingo", das seinerzeit das luxuriöseste Casino-Hotel der Welt war. Zur Eröffnung im Dezember 1946 trat der damalige Weltstar Frank Sinatra auf, zahlreiche weitere große Künstler sollten ihm bald schon folgen.



Moderne Vergnügungstempel haben das alte Flair verdrängt



Es ist besonders diese historische Zeit, die heute noch in vielen Köpfen herumspukt. Die Kombination aus Sinatra, Elvis Presley, dem Rat Pack, dem legendären Flamingo, der Glücksritter-Stimmung und den Einarmigen Banditen hat die Casino-Hauptstadt berühmt gemacht. Doch das alles ist längst Vergangenheit, insbesondere in Sin City, wo Veränderungen an der Tagesordnung sind. Das nostalgische Flair wurde durch moderne Vergnügungstempel verdrängt, die eine vollkommen andere Zielgruppe ansprechen. Wer in Erinnerungen schwelgen möchte, kann das Ambiente von damals im 777 Casino digital nachempfinden. Aber auch der Neonlight Graveyard, ein gut besuchtes Museum, lässt das alte Las Vegas für kurze Zeit zumindest in Teilen wieder auferstehen. Hier sind ausrangierte Reklametafeln und Lichtinstallationen zu sehen; einige von ihnen beginnen bei Anbruch der Nacht sogar zu leuchten. Daneben ist das "alte" Vegas höchstens noch rund um die Fremont Street erahnbar. Doch auch die neue Seite von Las Vegas besticht auf ihre ganz eigene Weise.



Bühne frei … für Lady Gaga und Marshmello!



Dort, wo sich einstmals Dean Martin, Sammy Davis Jr. und andere historische Entertainer im Rampenlicht sonnten, treten heute Lady Gaga, Marshmello und Christina Aguilera auf. Die Bühnen sind größer geworden, ebenso wie die Zuschauerräume – und die zugehörige Technik nimmt bombastische Ausmaße an. Beinahe könnte man meinen, die Shows seien inzwischen wichtiger geworden als das Glücksspiel, doch da gehen die Meinungen deutlich auseinander. Die heutigen Spielbanken sparen jedenfalls nicht an Platz für blinkende Slot Machines, Pokertische und Roulette-Kessel. Besucher können zwischen all den Spielangeboten stunden- oder tagelang umherschlendern, ohne eine einzige Stelle zweimal besuchen zu müssen. Das alles wird gerahmt von imposanter, enorm kreativer Architektur, venezianischen Gebäuden oder römischen Tempeln nachempfunden.



Las Vegas als modernes Disneyland für Erwachsene



Ein modernes Disneyland für Erwachsene hat sich entwickelt, einzig darauf ausgerichtet, möglichst viele Menschen grenzenlos zu unterhalten. Hier muss niemand zu den Superreichen gehören, um in einem Hotelzimmer mit Marmorböden und Kingsize-Betten zu residieren. Die Übernachtungspreise liegen auf vergleichsweise niedrigem Level, bei Weitem das meiste Geld wird noch immer an den Spielautomaten und Spieltischen umgesetzt. Zu den bestehenden Attraktionen gesellte sich 2014 das größte Riesenrad der Welt, der Las Vegas High Roller, das 2018 noch um eine Zipline ergänzt wurde. Am Grand Canal des Venetian Hotels scharen sich edle Boutiquen und der nachgeahmte Markusplatz bildet die perfekte Kulisse für Straßenkünstler aller Art. Doch noch viel irrer wird es am Stratosphere Tower.



Der Stratosphere Tower als Verkörperung des neuen Las Vegas



Wer den 365 Meter hohen Turm besucht, der stellt spätestens jetzt fest, dass Vegas nicht mehr Vegas ist. Natürlich muss niemand die verrückten Angebote wahrnehmen, die sich rund um den Stratosphere Tower bieten, doch ihre Anziehungskraft wirkt vor allem auf Adrenalinjunkies unwiderstehlich. Also lassen sich immer mal wieder verrückte Menschen von einer Aussichtsplattform aus 48 Meter in die Höhe schießen, um nach kurzer Schwerelosigkeit wieder zu Boden zu sinken. Andere Besucher setzen sich ins Insanity, um außerhalb der Plattform weit über den Dächern der Stadt herumzuwirbeln. Das X-Scream erscheint hingegen wie eine futuristische Wippe, die den Gästen das Gefühl vermittelt, über den Rand des Tower hinabzustürzen. Größer, schneller und noch viel weiter: So ist Las Vegas heute, ein Eldorado für alle, die nichts schlimmer finden als Stillstand und Langweile.



Die Fremont Street Experience als technisches Feuerwerk



In Downtown Las Vegas tickten schon früher die Uhren ganz anders und das hat sich bis heute nicht geändert. Rund um die Fremont Street existieren keine Einkaufsmöglichkeiten und der berühmte Las Vegas Strip liegt meilenweit entfernt. Aber Spiele sind hier selbstverständlich im Angebot, wir befinden uns schließlich noch immer tief im Herzen des Staates Las Vegas. Mitte der 90er Jahre überlegten die Stadtväter, wie sie die Fremont Street etwas aufpeppen konnten, um dem Strip die Stirn zu bieten. Heraus kam ein Projekt, das sich wirklich sehenlassen kann: Die Straße wurde auf einer Strecke von 500 Metern in eine überdachte Fußgängerzone verwandelt. Über 2 Millionen Lampen erhellen nun den künstlichen Himmel, der sich über die Besucher spannt! Das Dach ist 30 Meter hoch und bedeckt etwa 16.000 Quadratmeter Fläche, die alten Glühbirnen sind längst durch LEDs ersetzt. Die gigantischen, kunterbunten Lichtshows ziehen alle Blicke auf sich, zudem finden auf zwei fest installierten Bühnen regelmäßig Gratiskonzerte statt. Das alles wird finanziert von 10 Downtown-Spielbanken, die sich zusammentaten, um mehr Gäste in die Fremont Street zu locken.



Das Golden Nugget als bekanntestes Downtown-Casino



In Downtown befindet sich heute noch das berühmte "Golden Nugget", das erste Las-Vegas-Hotel mit integriertem Casino. Es stammt aus den 20er Jahren, aus der Zeit also, als der Staat Nevada die allerersten Glücksspiel-Lizenzen ausgab. Auch heute noch wartet das Nugget mit allerlei Glamour und Luxus auf, doch bezüglich Größte und Attraktivität reicht es nicht an die ganz großen Konkurrenten am Strip heran. Zum Ausgleich verfügt es über eine interessante Gold-Nugget-Sammlung und ein leckeres Buffet. Wer Haie mag, der kann in diesem Hotel die Wasserrutsche nutzen und darin direkt durch ein Haifischbecken düsen – allerdings geschützt durch einen transparenten Kanal aus PVC. Hier bilden das neue und das alte Las Vegas eine wirklich schöne Melange.


Dieser Artikel wurde am Mittwoch den 16.10.2019 21:52 erstellt und ist relavant zu Las Vegas, Geschichte, Fremont Street, Golden Nugget, Stratosphere Tower.